Blei und Zinn sind seit Jahrhunderten unverzichtbare Werkstoffe für das Baugewerbe, Handwerk und den Instrumentenbau. Ihre besonderen Eigenschaften - von hoher Formbarkeit über hervorragende Lötbarkeit bis hin zur Langlebigkeit - machen sie zu Materialien, die im Dachhandwerk, in der Spenglerei, im Orgelbau sowie im Kunsthandwerk bis heute eine zentrale Rolle spielen.

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Walzblei für Bedachung & Spenglerei

Das Bedachungshandwerk setzt seit jeher auf Walzblei. Besonders im Bereich der Spenglerei, bei der Herstellung und Installation von Blechdächern, Regenrinnen und Fallrohren, überzeugt Blei durch seine außergewöhnliche Haltbarkeit, Korrosionsbeständigkeit und flexible Verarbeitung.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf denkmalgeschützten Dachrekonstruktionen. Hier ist Blei unersetzlich: Es ermöglicht eine originalgetreue Wiederherstellung historischer Dächer, die über Jahrhunderte Bestand haben sollen. Damit bewahren wir nicht nur Bauwerke, sondern auch kulturelles Erbe.

Typische Spenglerlote

Pb50Sn50Pb60Sn40Pb65Sn35Pb67Sn33Pb75Sn25Pb70Sn30

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Warum Blei seit Jahrhunderten überzeugt

Blei ist auf den ersten Blick ein schweres Metall. Aber gerade im Dachhandwerk zeigt es seine Vorteile. Dünn ausgewalzt hat es eine geringe Flächenlast, ist gleichzeitig leicht biegbar und gut verlötbar. Dadurch eignet es sich hervorragend, um selbst komplexe Dachformen und Anschlüsse dauerhaft dicht zu bekommen. Zudem ist es extrem korrosionsbeständig - ein Grund, warum Blei-Dächer über Jahrhunderte Wind und Wetter standhalten.


Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Hagia Sophia in Istanbul, die bereits im Jahr 537 n. Chr. fertiggestellt wurde. Ihre monumentale Kuppel wurde mit Bleiblechen eingedeckt – eine Lösung, die trotz zahlreicher Erdbeben und statischer Herausforderungen über viele Jahrhunderte Bestand hatte. Noch heute zeigt dieses Bauwerk eindrucksvoll, dass Blei sich als Dachmaterial durch seine Langlebigkeit, Korrosionsbeständigkeit und Anpassungsfähigkeit bewährt hat.


Auch in der europäischen Baugeschichte war Blei das Material der Wahl. Ein weiteres berühmtes Beispiel ist die Kathedrale Notre-Dame in Paris, deren Dachflächen seit dem Mittelalter mit Blei gedeckt waren. Über Jahrhunderte hinweg bot das Metall zuverlässigen Schutz vor Wind und Wetter und trug dazu bei, dass das Bauwerk seinen Platz als Wahrzeichen Europas behaupten konnte. Auch wenn ein verheerender Brand 2019 große Teile der Dachkonstruktion zerstörte, wird beim Wiederaufbau erneut auf Blei gesetzt – denn kein anderes Material verbindet Authentizität, historische Bauweise und Langlebigkeit in vergleichbarer Weise.

Lote für Kupferrohr-/Sanitärinstallation

In der Kupferrohrinstallation wird zwischen Weichlöten (unter 450 °C) und Hartlöten (über 450 °C) unterschieden, wobei die Wahl des Verfahrens streng nach Einsatzbereich und geltenden Regelwerken wie der DVGW TRGI erfolgt. 

Weichlöten

Dieses Verfahren ist Standard für Sanitärinstallationen (Kalt- und Warmwasser) sowie Heizungsanlagen mit Betriebstemperaturen bis 110 °C. Als Fittinglot kommen hierbei zinnhaltige Legierungen zum Einsatz, die zusammen mit einer passenden Lötpaste für eine kapillare Verbindung sorgen.

Eines der typischsten Fittinglote zum Weichlöten ist 

SN 97Cu3

Hartlöten

Es ist zwingend vorgeschrieben für Gasinstallationen (nach TRGI) sowie für Leitungen in der Kälte- und Klimatechnik, da diese Verbindungen eine höhere thermische und mechanische Belastbarkeit aufweisen. Bei Trinkwasserleitungen ist Hartlöten bei kleinen Rohrdurchmessern (bis 28 mm) aufgrund der Gefügeveränderung des Kupfers oft untersagt oder wird kritisch gesehen, während es bei größeren Dimensionen oder speziellen Industrieanwendungen bevorzugt wird. 

Zum Hartlöten werden Kupfer-Phospor-Legierungen sowie Kupfer-Silber-Legierungen verwendet.

Orgelbau & Musikinstrumente

Im Orgelbau spielt die Zusammensetzung der Zinn-Blei-Legierungen eine entscheidende Rolle. Schon geringe Veränderungen im Mischungsverhältnis verändern den Klang: Mehr Zinn bringt Helligkeit und Brillanz, mehr Blei sorgt für Wärme und Tiefe.

Bei Restaurierungen historischer Orgeln ist es oft notwendig, die ursprünglichen Legierungen exakt nachzubilden – teilweise mit einem Bleianteil von bis zu 95 %. Nur so lässt sich der authentische Klang dieser einzigartigen Instrumente bewahren. Trotz strenger EU-Chemikalienregeln bleibt Blei hier unverzichtbar und erlaubt, um kulturelles Erbe zu schützen.

Typische Legierungen

Sn99,9Pb99,94Sn63Pb37E 

Für die Nachbildung historischer Legierungen sprechen Sie uns gern an!

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Auch im Blechblasinstrumentenbau sind Zinn und Blei wichtige Werkstoffe. Durch ihren Einsatz als Lötmittel können selbst filigrane Bauteile präzise verbunden werden, was für die feine Mechanik von Blasinstrumenten entscheidend ist.

Historisch wurden Blechblasinstrumente gelegentlich mit einer inneren Zinn- oder Blei-Beschichtung versehen, aber diese Praxis ist heute unüblich. Moderne Instrumente bestehen hauptsächlich aus Messing oder anderen Kupferlegierungen und haben keine Blei- oder Zinnanteile im eigentlichen Instrument.

Typische Legierungen

Sn60Pb40Pb50Sn50ESn96,5Ag3Cu0,5 (SAC305) 

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Metalle & Legierungen für das Kunsthandwerk

Das Kunsthandwerk profitiert seit Jahrhunderten von den einzigartigen Eigenschaften von Blei und Zinn. In traditionellen Gussverfahren – wie Guss, Druckguss oder Druckschleuderguss – entstehen detailreiche Zinnfiguren, Ornamente und Medaillen. Die Metalle ermöglichen eine hohe Formgenauigkeit und dauerhafte Qualität.


Tiffanylot

Das Tiffanylot beschreibt eine üblicherweise bleifreie Legierung aus Zinn/Kupfer oder Zinn/Kupfer/Silber, die speziell für dekorative Lötarbeiten und handwerkliche Anwendungen entwickelt wurde. Es wird vor allem im Tiffany- und Glasdesign, in der Restaurierung sowie in kunsthandwerklichen Metallverbindungen eingesetzt.

In der Vergangenheit wurde im Tiffany- und Glasbereich überwiegend mit bleihaltigen Loten wie Sn60Pb40 gearbeitet, da diese sich durch eine niedrige Verarbeitungstemperatur und sehr gute Fließeigenschaften auszeichneten. Der Verzicht auf Blei entspricht heutigen Anforderungen an Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit. Technisch bieten bleifreie Zinn-Kupfer- oder Zinn-Silber-Legierungen zusätzliche Vorteile: Viele dieser Lote erstarren eutektisch, das heißt Schmelz- und Erstarrungspunkt fallen zusammen. Dadurch geht das Lot beim Abkühlen ohne pastösen Zwischenbereich direkt vom flüssigen in den festen Zustand über. Dies minimiert das Risiko von Nahtbewegungen, Nachziehen oder ungewollten Verformungen und sorgt für saubere, klar definierte Lötstellen.

EinsatzgebieteMerkmale
  • Tiffany-Technik (Löten von Kupferfolie an Glas)
  • Kunst- und Glasdesign
  • Restaurierung von Zinn- und Kupferobjekten
  • Dekorative Lötverbindungen im Modell- und Kunsthandwerk
  • Verbindung von Kupfer, Messing und zinnbeschichteten Oberflächen
  • Bleifrei und damit gesundheitlich unbedenklicher als klassische Bleilote
  • Guter Fluss und zuverlässige Benetzung auf kupferhaltigen Oberflächen
  • Mittlere Schmelztemperatur (ca. 227 °C), gut kontrollierbar im Handlötprozess
  • Mechanisch stabile Lötstellen mit ausreichender Festigkeit für dekorative Anwendungen
  • Dezente, leicht matte Oberfläche, typisch für Zinn-Kupfer-Legierungen

Typische Legierungen

Sn99,3Cu0,7 Sn97Cu3Sn99Ag0,3Cu0,7Sn96,5Ag3,5Sn60Pb40Sn50Pb50Pb60Sn40

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Von genormt bis ganz speziell

Nachbildung historischer Legierungen

Mit viel Präzision und Know-how übernehmen wir auch zuverlässige Materialanalysen. So können wir zum Beispiel die Materialzusammensetzungen der seinerzeit verwendeten Weichlote in Orgeln oder Fenstereinfassungen für denkmalgeschützte Bauelemente bestimmen und die dafür notwendigen, historischen Legierungen exakt reproduzieren. 

Das richtige Format für Ihren Prozess

Jeder Produktionsprozess hat seine eigenen Anforderungen - sei es in der Spenglerei, im Instrumentenbau oder im Kunsthandwerk. Das passende Format spielt dabei eine entscheidende Rolle: Es beeinflusst die Verarbeitung, die Präzision und letztlich die Qualität des Endprodukts.

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Die passende Legierung für jeden Anwendungsfall – von Zinnlegierungen und Bleilegierungen bis zu Sonderlegierungen.


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Anfragedaten

Gemäß der Chemikalien-Verbotsverordnung (§ 5 ChemVerbotsV) dürfen bleihaltige Stoffe nur an gewerbliche Abnehmer mit entsprechender Fachkunde abgegeben werden. Ein Verkauf an Privatpersonen ist gesetzlich untersagt. Wir behalten uns daher vor, bei Bestellungen entsprechende Nachweise einzufordern.